Nina Rötters von Stickynote Lettering - Lettern ist wie eine Art Meditation

Interview mit
Nina Rötters
@stickynote.lettering

Erzähle uns doch einfach ein bisschen was du machst und um was es bei deiner Arbeit geht.

Angefangen habe ich mit Handlettering im Herbst 2016. Ich male und zeichne seit ich einen Stift halten kann. Eine Zeit lang habe ich nur mit meinen Kindern gemalt und gebastelt. Da kam die eigene Kreativität etwas zu kurz, aber das hat sich nun wieder geändert.

Kreativität ist für mich ein Ausgleich. Andere machen Sport und ich schwinge eben Stifte und Pinsel. Heute bin ich ganz vielseitig aufgestellt. Auf Instagram findet man Bullet-Journaling, Illustrationen, Handletterings und kleine DIYs; eben alles woran ich auch selbst Spaß habe.                    

War es dir auch gleich klar, dass du das direkt mit Website, Instagram und Co. machen wirst als du wieder angefangen hast?

Nein! Dazu bin ich wie die Jungfrau zum Kind gekommen. 2017 habe ich in der Weihnachtszeit meine Fenster mit einem Kreidemarker belettert.

In einem “Glühwein-Moment” habe ich mich ganz spontan mit diesem Thema beim “Topp Star Award” beworben und bin ins Finale eingezogen.

In den Weihnachtsferien habe ich schnell ein Konzept erstellt, bin dann im Januar zur Creativeworld gefahren und habe es vorgestellt. Unter den fünf Finalisten habe ich den ersten Platz zwar ganz knapp verpasst aber vom Verlag trotzdem das Angebot bekommen das Buch zu veröffentlichen. So entstand mein erstes Buch: “Fensterdeko mit dem Kreidemarker - Handlettering”.

Natürlich benötigt der Verlag für den Autorenfragebogen die Angabe einer Website. Diese habe ich dann in einer Nacht und Nebel Aktion erstellt und nach und nach erweitert. Heute istwww.stickynote-lettering.de eine beliebte Anlaufstelle für alle, die sich zum Thema Handlettering informieren oder einen Workshop mit mir buchen möchten.

Starte mit Schwungübungen und versuche nicht direkt ganze Buchstaben oder Letterings anzufertigen. Man muss erst die Basics beherrschen, damit man später auch schöne Letterings hinbekommt.

Interessant, wie doch manchmal die unerwarteten “Side-Projects” durch die Decke gehen… Mittlerweile gibst du auch Workshops, richtig?

Ja, das war eigentlich auch nie so wirklich geplant… Eine meiner Freundinnen meinte mal: “Du kannst das doch mal zeigen was du da machst.”

Ich habe mir drei Stifte geschnappt und bin bei ihr vorbeigegangen um ein bisschen mit ihr zu üben. Sie hatte dann noch einige Freundinnen eingeladen. Die haben anderen davon erzählt, da sie so begeistert davon waren. Daraus sind die ersten richtigen Workshop Anfragen entstanden.

In Düsseldorf sind Workshop Räume sehr teuer, also bin ich dazu übergegangen meine Workshops als “Workshop @HOME” anzubieten. Das heißt, ich habe einen sehr großen, schweren Koffer und fahre zu den Handlettering Interessierten nach Hause und gebe den Workshop dort am Esstisch. Das ist eine ganz andere Atmosphäre als klassische Workshops, weil die Leute zuhause sitzen, gemeinsam mit ihren Freunden. In den eigenen vier Wänden ist das einfach besonders und nett und kommt super gut an. Momentan sind diese Workshops natürlich ausgesetzt aber das Konzept klappt wunderbar.

Macht du dann “nur” diese Art von Workshops oder gibt es bei dir auch klassische Workshops zu buchen?

Durch meine Webseite sind auch Unternehmen auf mich aufmerksam geworden, die mich vor Corona regelmäßig für Workshops als Dozentin gebucht haben. Ich hoffe, dass wir nach der Pandemie wieder ins normale Workshopleben zurückfinden können. Das fehlt mir sehr.

Wow, das hat sich ja echt stark entwickelt alles. Wo siehst du dich denn in 5 Jahren, oder wo würdest du damit gerne hin?

Nebenberuflich studiere ich momentan Grafikdesign und arbeite als kaufmännische Angestellte im Marketing. Vielleicht möchte ich in Zukunft etwas in Richtung Grafikdesign machen, weil mir das viel Spaß macht. Auch mein jetziger Job ist anspruchsvoll und die kreative Arbeit nebenbei ist für mich ein super Ausgleich. Ich lasse einfach alles auf mich zukommen. Hätte mir jemand vor fünf Jahren erzählt, was ich heute so alles mache, hätte ich wahrscheinlich herzlich gelacht!

Erzähl uns doch mal ein bisschen von deinem neuen Buch? Und überhaupt… wie viele Bücher hast du denn jetzt schon geschrieben?

Das erste Buch war die Kreidemarker Handlettering Vorlagenmappe über den TOPP Verlag. Im Herbst 2019 ist der Christophorus Verlag auf mich zugekommen, ob ich mir vorstellen könne ein Buch über Aquarellstifte zu schreiben. Sie hatten meinen Instagram Feed und meine Webseite entdeckt und so hat sich das dann ergeben. Ich hatte komplett freie Hand und konnte mich nach Herzenslust austoben.

Alles in diesem Buch dreht sich um Aquarellbuntstifte und Aquarellmarker. Es sind Handletterings und Watercolor-Illustrationen in detaillierten Schritt für Schritt Anleitungen darin enthalten. Das Buch ist im September 2020 erschienen. Ich arbeite bereits am nächsten Buch, in welches von Brush Pens und Illustrationen handeln wird. Im ersten Buch aus dem Christophorus standen die Watercolor-Illustrationen im Vordergrund. In diesem Buch nun das Brush Lettering. Es wird im März 2021 erscheinen und ist dann mein drittes Buch.

Die Bücher gibts dann direkt über deine Webseite oder wo bekommt man die am besten?

Überall eigentlich. Thalia, Amazon, die Buchhandlung im Ort und natürlich bei mir auf der Webseite. Wenn jemand bei mir direkt bestellt, erhält der Kunde auf Wunsch eine kostenlose Widmung.

Wie ist das eigentlich in deinen Workshops, sind die eher für Anfänger oder Fortgeschrittene oder ganz gemischt?

Meine Workshops werden meistens von Anfängern besucht. Viele Teilnehmer erzählen mir, dass sie Bücher zum Thema Handlettering zuhause hätten, aber von alleine nicht so richtig rein ins Thema reinkommen. Meinen Teilnehmern gebe ich dann den Stups in die richtige Richtung und helfe Ihnen dabei die Grundlagen zu erlernen. Wenn man versucht sich das Handlettering autodidaktisch beizubringen, fordert das viel Disziplin und eine hohe Frustrationstoleranz um voranzukommen. Als ich damals anfing, gab es keine Workshops und kaum Bücher… ich hätte mir eine Menge Leid erspart, wenn ich einen Workshop hätte besuchen können.

Wenn man die richtigen Tipps und Kniffe nicht kennt, kann das Lettern sehr anstrengend sein. Nach einem Workshop beherrscht man das Handlettering leider immer noch nicht, kennt aber alle wichtigen Grundlagen.

Was sind denn deine besten Tipps wenn ein Anfänger auf dich zukommt, der gerade mit Handlettering beginnen möchte?

Üben, üben, üben. Ganz viel üben. Am besten jeden Tag immer ein bisschen. Starte mit Schwungübungen und versuche nicht direkt ganze Buchstaben oder Letterings anzufertigen. Man muss erst die Basics beherrschen, damit man später auch schöne Letterings hinbekommt.

Wichtig ist auch, dass man es langsam angehen lässt. Man muss entschleunigen und sich zurücknehmen. Das fällt vielen Menschen in dieser schnelllebigen Zeit sehr schwer.

Lettern ist wie eine Art Meditation oder Yoga. Ganz wichtig ist auch, dass man zu Beginn den eigenen Anspruch etwas nach hinten stellt. Viele Anfänger vergleichen sich mit anderen, die dieses Hobby vielleicht schon viele Jahre ausüben. Man sollte seinen eigenen Perfektionismus zurückstellen und üben, dann sieht man auch rasch Fortschritte.

Wenn man in meinem Instagram Account ganz weit nach unten scrollt, dann sieht man dort meine ersten Versuche. Und die sehen aus wie bei jedem anderen Anfänger. Wenn ich das heute anschaue, dann finde ich meine Letterings von damals echt schlimm aber ich lasse sie bewusst in meinem Account. Ich möchte, dass sich Anfänger das anschauen können um zu sehen, wie sich man sich entwickeln kann wenn man dranbleibt. Einige Teilnehmer aus meinen Workshops die dabei geblieben sind, sind heute super gut. Das freut mich natürlich besonders wenn ich sehe, dass jemand so richtig Feuer gefangen hat und jetzt so richtig in der Community mitmischt.

Mein Instagram Feed ist nicht sehr durchgestylt. Ich habe kein Farbschema oder benutze immer die gleichen Filter. Bei mir findet man auch weniger starke Artworks. Diese lasse ich aber bewusst dort stehen, weil mir wichtig ist authentisch zu sein.

Wie bist du denn überhaupt auf Skullpaper gekommen?

Das dachte ich mir schon, dass diese Frage kommt ;-) Ich glaube, Ronny hat mir die Blackliner als Samples zugeschickt. Ich kannte die gar nicht und muss sagen ich war gleich begeistert. Ich nutze sie auch häufig, weil sie richtig schwarz sind. Viele Fineliner sind leider eher grau. Mit den Blacklinern kann ich super im Bullet-Journal arbeiten und problemlos drüber radieren. Die Blackliner sind übrigens auch in meinem Buch abgebildet.

Wenn sich jemand für dich und deine Arbeit interessiert, wo findet man dich am besten?

Auf Instagram, Facebook, Pinterest und natürlich über die Webseite. Auf der Webseite kann man sich tiefergehend informieren. Dort gibt es Anleitungen, Freebies, Materialkunde und es kommen ständig neue Infos dazu. Auf Instagram gibt es fast täglich neue Beiträge.

Mehr zu Nina findet ihr:


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