Arabelle Zimmermann - Belles Lettering

Arabelle Zimmermann - Belles Lettering

Maxi Sesterhenn - Löwenjunges Du liest Arabelle Zimmermann - Belles Lettering 13 Minuten

Hallo Arabelle, freut mich sehr, dass wir uns heute unterhalten können. Ich habe gesehen, dass du uns so oft auf Instagram getaggt hast, da dachte ich mir, ich muss mit dir mal sprechen. Erzähl doch mal ein bisschen von dir!

Vielen Dank für die Einladung! Ich war wirklich sehr geflasht, als ich deine Nachricht bekommen habe. That made my day!

Also, ich bin fünfundfünfzig Jahre alt und bin 2018 zum Lettering gekommen. Wahrscheinlich hört man das ganz oft: Ich war immer schon kreativ, als Kind habe ich schon gerne Bilder gemalt. Das sagt wahrscheinlich jeder, aber es ist tatsächlich so, dass ich immer schon sehr kreativ war.

Anfang der Zweitausender war ich schon mal selbständig mit Mottopartys für Kindergeburtstage. Ich habe also Eltern entlastet, indem ich für Einladungskarten bis hin zu Innen- und Außendeko gesorgt habe. Das musste ich dann aber irgendwann aufgeben, weil es nicht ausreichend für den Lebensunterhalt gesorgt hat.

Im Hauptjob bin ich Coach und Dozentin bei einem Bildungsträger und bringe Langzeitarbeitslose wieder in eine sozialversicherungspflichtige Arbeit. Aber nebenbei und als Ausgleich habe ich dann 2018 das Lettering entdeckt. Das fing so sporadisch an, und auf einmal habe ich gemerkt… Wenn man nicht dranbleibt, dann bringt das nichts!

Irgendwie hat sich das dann dazu weiterentwickelt, dass ich jetzt mittlerweile fast täglich an meinem Kreativplatz sitze und vor mich hin lettere. Das ist der totale Ausgleich zu dem stressigen Hauptjob.

Das heißt, es ist für dich eine Entspannung in gewisser Weise?

Ja, absolut! Ich merke, das macht den Kopf frei, weil ich mich einfach auf diese Sache konzentriere und dann entsprechend abschalten kann. Das ist so meine “Me-Time”, mein Ausgleich.

Ich habe gerade dein Instagram-Profil vor mir, du bist ja mega aktiv! Fast 1.300 Posts! Wie gehst du damit um?

Ja, ich habe auch schon viele rausgenommen, die sind jetzt im Archiv. Ich wollte auch schon längst mal wieder ein bisschen aussortieren, weil da viel altes Zeugs mittlerweile dabei ist. Aber andererseits denke ich dann auch immer: Für die, die dann wirklich mal durch mein Profil scrollen, die können eine Entwicklung sehen.

Ich gebe ja auch Workshops. Eine ganze Weile habe ich Präsenzworkshops für Anfänger gegeben. Jetzt fehlt mir im Moment ein Raum, wo ich das durchführen kann, aber deswegen bin ich jetzt auf Online-Workshops ausgewichen.

Das ist auch immer das, was ich den Anfängern des Hand Letterings mit auf den Weg gebe: Das, was sie bei mir sehen, habe ich ja nicht von Anfang an gekonnt. Dieses Dranbleiben, also: “Übung macht wirklich den Meister”. Diese Entwicklung, die man während der ganzen Zeit durchmacht, ist eigentlich das A und O. Dieses Dranbleiben und sich Weiterentwickeln. 

Deswegen zeigt mein Profil diese Entwicklung. Wenn jemand sagt: "Ich scroll mal runter, was Belles Lettering da alles gemacht hat", dann sieht man diese Entwicklung im Laufe der Zeit.

Wie würdest du diese Entwicklung beschreiben, die du gemacht hast? Woran merkst du das selbst?

Dass es ein bisschen flüssiger aussieht, also die Buchstaben. Manche Buchstaben haben sich auch im Laufe der Zeit einfach komplett gewandelt. Und was mir auch von anderen schon gesagt wurde. Ich habe so mein eigenes Alphabet. Ich bin tatsächlich auch schon mal gefragt worden: "Kann ich mal dein Alphabet haben?" – weil das so einen eigenen Stil bekommen hat.

Viele sitzen ja da und holen sich Inspirationen aus dem Internet, bin ich totaler Fan von, mache ich ja auch. Aber dieses eins zu eins, dass es genauso aussehen muss wie das, wo man sich die Inspiration holt, das ist meiner Ansicht nach die falsche Einstellung. Man sollte selber ausprobieren. Es ist natürlich wichtig, erst mal so nachzulettern als Übung, die das Lettern trainiert, aber das ist dann ja nichts Eigenes. Man ist nie frei im Kopf.

Ich werde oft gefragt: "Wo hast du den Stil her? Wie hast du das gemacht?" Das ist durch dieses immer wieder Dranbleiben, immer wieder neu ausprobieren gekommen. Es gibt Buchstaben, die gehen leicht von der Hand. Es gibt Buchstaben, die bleiben immer so ein Hassbuchstabe. Aber dieses immer Üben und neu ausprobieren, dadurch wird der Kopf frei, weil man nicht mehr so sehr unter Druck von außerhalb steht.

Das muss ein tolles Gefühl sein, wenn andere deinen Stil erkennen!

Ja! Im November waren wieder die Lettering Days in München. Und wenn man dann an so einem Stand sitzt und was lettert und man hört nur so von hinten: "Oh, ich erkenn an der Schrift, da sitzt Belles Lettering" das geht dann runter wie Öl!

Das mit dem Druck ist ein guter Punkt. Wie gehst du mit Instagram und dem Vergleichen mit anderen um?

Ganz viele, mit denen ich gesprochen habe, fühlen sich durch Instagram total unter Druck gesetzt, weil sie glauben, abliefern zu müssen, um genauso toll zu sein wie andere. Und das versuche ich immer, meinen Teilnehmerinnen auch so ein bisschen zu nehmen und sage: "Setzt euch nicht unter Druck, sondern probiert aus. Traut euch, das zu zeigen, aber bleibt immer am Ball und entwickelt euch weiter."

Mir passiert das ja auch oft. Es gibt so Phasen, da sage ich auch: "Instagram ist manchmal total egal, ich mache es, weil es mir Spaß macht." Und dann gibt es wieder so Phasen, wo ich denke: "Oh, die kann dies und das... Oh, sieht das toll aus und das kann ich ja gar nicht." 

Und dann sage ich mir wieder: "Arabelle, wie bescheuert bist du denn? Das ist totaler Quatsch. Sie hat genauso klein angefangen."

Ich muss natürlich auch sagen: Ich habe ja relativ “alt” mit dem Lettern angefangen, auch wenn ich immer schon kreativ war. Es gibt so Phasen, da passiert es mir auch, dass ich mich wieder unter Druck setzen lasse: "Warum hat sie so viele Follower? Wie schafft sie das?" Und dann sage ich wieder: "Es ist total egal."

Man muss natürlich unterscheiden: Ist es jetzt mein Lebensunterhalt, den ich damit verdienen muss, oder ist es was nebenbei? Bei mir ist es nebenbei, da kann ich ganz anders durchatmen und sagen: "Es ist schnurz."

Du hast vorhin Online-Workshops erwähnt. Machst du die aktuell weiterhin?

Ja, ich mache weiter Online-Workshops nächstes Jahr. Die Termine sind in meinem Highlight “WORKSHOPS 2026” auf Instagram zu finden. Ich hatte jetzt eigentlich im November noch einen Weihnachtskarten-Workshop geplant, der musste aber aus gesundheitlichen Gründen leider ausfallen. Und da habe ich gemerkt, dass die Leute traurig waren.

Deshalb habe ich ein kleines "Weihnachten mit Belle"-Booklet erstellt und das zur Verfügung gestellt mit Vorlagen, Lettering-Vorlagen und so kleinen Weihnachtsvorlagen. Das habe ich erst als Give-away gemacht und dann noch zum Kauf angeboten als PDF-Datei oder auch gedruckt. Und da war ich auch sehr geflasht, das ist so gut angekommen!

Wo kann man das denn kaufen?

Direkt per Instagram DM muss man mich nur anschreiben. Also wenn ich merken sollte, dass das auch zu anderen Themen ganz gut ankommen sollte, dann werde ich wahrscheinlich doch auch noch mal einen kleinen Shop eröffnen. Meine Tochter sagte sofort: "Oh, du musst einen Etsy-Shop machen!" Aber ich muss ausprobieren, erst mal gucken, wie es angenommen wird und dann, wer weiß…

Mit den Online-Workshops mache ich auf alle Fälle Anfang 2026 wieder weiter. Und da habe ich auch schon Themenwünsche von anderen, also von denen, die bisher schon im Workshop mit dabei waren, die gesagt haben: "Oh, kannst du nicht mal dies machen und das machen?" So sammle ich dann Themen und werde diese dann nächstes Jahr direkt mit aufgreifen.

Magst du verraten, was so das Nummer-eins-Thema ist, das gewünscht wird?

Die Nummer eins ist aktuell: Buchstaben wie Luftballons! Also so dieser Luftballon-Effekt, als würde man jetzt diese Metallic-Luftballons machen. Das war sehr stark gefragt. Das hatte eine erwähnt und alle anderen: "Oh ja, das wäre toll!"

Anfängerkurse werde ich das ganze Jahr durchplanen und Fortgeschrittenenkurse werden auch mit angeboten, und dann werde ich sicherlich diesen Luftballon-Effekt mit aufnehmen.

Und wie funktionieren deine Online-Workshops genau? Machst du die über Zoom oder live auf Instagram?

Ich mache die über Zoom! Eigentlich bin ich beruflich viel online unterwegs und ich habe mich immer so ein bisschen davor gesträubt, das Handlettering auch online zu machen, weil ich in Präsenz besser sehen kann, ob man z.B. den Stift wirklich richtig hält.

Aber deswegen bin ich auch mit den Online-Workshops über Zoom unterwegs. Falls jetzt wirklich noch mal irgendwas sein sollte, könnten die Teilnehmer dann auch ihr Werk zeigen und ich könnte sagen: "Dreh die Kamera mal so, dass ich sehe, wie du schreibst." Ist bisher jetzt nicht vorgekommen, aber einfach die Option zu haben, gibt ein besseres Gefühl.

Ich arbeite lieber in Präsenz, aber solange mir der passende Raum dazu fehlt, mache ich sie online... Und im Endeffekt… Auch wenn ich den Raum später habe, muss das ja nicht heißen, dass das eine das andere ausschließt. 

Ich habe noch auf deinem Profil das Creative Lettering Magazin gesehen. Was hat es damit auf sich?

Da bin ich Markenbotschafterin! Das Creative Lettering-Magazin erscheint viermal im Jahr und es werden auch immer wieder KünstlerInnen gesucht, die ihre Skills zeigen möchten. Ich habe auch schon ein paar Mal als Künstlerin etwas zeigen dürfen. Und irgendwann schrieb mich dann die Chefredakteurin an, ob ich mit anderen tollen Frauen Markenbotschafterin sein möchte.

Seit der Sommerausgabe ist ein Heft zum Rausnehmen im Magazin inkludiert. Dazu steuere ich nun jedes Mal Letteringvorlagen bei, d.h. ich mache aktuell keine Step-by-step-Beiträge mehr, sondern schicke zu jeder Ausgabe die jahreszeitlich passenden Lettering-Vorlagen.

Das macht bestimmt Spaß, oder?

Ja! Vor allem muss man sich nicht immer so einen Kopf machen, weil das ist natürlich auch schon aufwändig, wenn du dann step by step das alles abfotografieren und erklären musst. Und jetzt sind die Vorlagen von mir mit drin. Und wenn du dann siehst, dass die Vorlagen auch wirklich genutzt werden und bekommst dann schon vorab, bevor es ein Post wird, die Info: "Guck mal, ich habe deine Vorlagen benutzt!"

Das ist ja dann schon eine Fangemeinde!

Ja, genau!

Wenn du jetzt mal in die nächsten drei bis fünf Jahre schaust … wo siehst du dich mit dem Thema? Wo möchtest du damit hin?

Man hat ja immer so eine kleine Vision. Ich habe tatsächlich auch eine Vision, dass ich irgendwann mal irgendwo ein kleines knuffiges Atelierchen habe, was frei zugänglich ist für jeden. Dann nicht nur für Lettering, sondern auch für andere kreative Dinge.

Ich war schon so kurz davor, aber da ist mir der Laden tatsächlich von jemand anderem noch gemopst worden, der ein besseres Angebot hatte als ich. Das hat dann erstmal ein bisschen runtergezogen und dann habe ich gesagt: "Komm, es hat dann einfach nicht sollen sein. Es wird sich irgendwann eine Tür öffnen." 

Das sollte halt eben auch nicht zu weit weg von Germersheim sein, wo ich wohne. Aber Germersheim selbst ist halt recht klein, wir haben keine richtige Fußgängerzone. Und das wäre bei dem letzten Laden halt eben alles dagewesen. Da hätte ich eine super Laufkundschaft mit Fußgängerzone gehabt. Aber ich setze mich da jetzt auch nicht unter Druck, sondern schaue einfach, was sich ergibt.

JETZT NOCH DIE NEUGIER IN EIGENER SACHE: WIE BIST DU ÜBER UNSERE BLACKLINER SPEZIELL GESTOSSEN ODER GENERELL ÜBER DIE SACHEN?

Ich dachte mir schon, die Frage kommt bestimmt! ;-) Ich weiß es aber nicht mehr ganz genau. Aber ich meine, dass ich mal auf der Suche nach schwarzen Finelinern war, die wasserfest sind und die wirklich schwarz sind. Weil es gibt ja “schwarz” und es gibt schwarz.

Ich habe mir ganz am Anfang dann mal verschiedene Stifte bestellt und seitdem... Also natürlich habe ich auch noch andere schwarze Fineliner hier, aber ich mache sämtliche Auftragsarbeiten nur mit Skullpaper, weil ich weiß, da versaue ich nichts mit. Da ist das Schwarz da, auch wenn ich nochmal drüberradieren muss. Ich glaube, ich habe die einfach durchs Kaufen verschiedener Stifte entdeckt und Skullpaper ist dann seither bei mir geblieben.

Also würdest du sagen, dass unser Schwarz auch wirklich richtig schwarz ist?

Ja, absolut! Es ist einfach so, dass sie sehr schnell trocken sind, so dass man direkt auch drüber pinseln kann, wenn man jetzt irgendwas ausmalt. Das hat auch nicht jede Firma.

Es gibt welche, die lettern mehrere Tage an einem Werk, und ich bin eine, ich brauche schnell das Ergebnis. Wenn, dann muss es bestmöglich an einem Tag fertig sein. Und da muss ich dann wirklich sehr schnell drüber radieren können, wenn ich vorgeschrieben habe. Oder mit Aquarellfarbe drüber malen, ohne dass es irgendwas versaut.

Möchtest du noch was hinzufügen abschließend? Hast du noch irgendwas, was du den Leserinnen und Lesern sagen möchtest?

Im Prinzip: An alle, die lettern oder auch anderweitig kreativ unterwegs sind… Vor Allem in Kombination mit Instagram… Sich nicht mit anderen, die schon jahrelang dabei sind, vergleichen. Üben und am Ball bleiben. Das muss nicht täglich sein, aber eine Regelmäßigkeit. Und bitte nicht den Mut verlieren, denn es kommt. Es kommt wirklich! Irgendwann löst sich der Knoten da oben im Kopf, gerade beim Lettern. Mal früher, mal später, aber er löst sich, wenn man dranbleibt.

Vielen Dank, Arabelle, für diese tollen Einblicke! Weiterhin viel Erfolg mit all deinen Projekten und vielleicht klappt es ja bald mit dem Atelierchen!

 

 

MEHR ZU ARABELLE:

Instagram: @belles_lettering
Online-Workshops: Termine für 2026 folgen auf Instagram
Creative Lettering Magazin: Markenbotschafterin mit regelmäßigen Vorlagen in jeder Ausgabe

Bilder: ©Arabelle Zimmermann

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